Festverzinsliche Wertpapiere

Immer wieder sind auch private Anleger auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Dabei gilt es grundsätzlich, möglichst hohe Erträge zu erzielen. Das Anlagerisiko hingegen soll möglichst gering sein. Aus diesem Umstand ergibt erfordert bei vielen Betroffenen eine Art „Balance-Akt“. Letztlich gilt es auch für Sie als Anleger, immer Kompromisse zu machen, wenn Sie sich nicht mit geringen Zinserträgen zufriedengeben möchten. Ein Weg der Kapitalanlage, die ein breites Spektrum an Möglichkeiten bietet, ist die Investition von Geld in festverzinsliche Wertpapiere.

Video: Was ist eigentlich ein Wertpapier?

Was sind festverzinsliche Wertpapiere?

Unternehmen und Staaten benötigen praktisch ständig Geld. Staaten müssen immer liquide sein, um investieren zu können. Firmen nutzen geliehenes Kapital, um damit zu arbeiten. Sie erzielen mit ihrer Arbeit bzw. ihren Produkten im Regelfall letztlich höhere Renditen als Zinskosten anfallen und erzielen auch dadurch Gewinne. Doch woher Kapital bekommen? Einerseits natürlich über Kreditinstitute. Diese stellen naturgemäß gern Gelder zur Verfügung, die ihnen letztlich Zinseinnahmen bringen. Ein weiterer Weg der Kapitalbeschaffung kann jedoch auch die Auflegung eines Wertpapiers – zum Beispiel einer Anleihe – sein. Sonderformen festverzinslicher Wertpapiere wie beispielsweise Pfandbriefe oder Obligationen lassen wir an dieser Stelle aus Transparenzgründen außen vor. Sowohl Staaten als auch große Unternehmen nutzen regelmäßig Anleihen als Möglichkeit der Beschaffung von frischem Kapital und treten so als Emittenten eines solchen Papiers auf. Dabei wird die Auflegung einer Anleihe nicht selten so gestaltet, dass für den Emittenten selbst eine im Gegensatz zur Kreditaufnahme über ein Kreditinstitut günstigere Leihe möglich ist. Im Wesentlichen ist dies der größte Vorteil, die ein Staat bzw. eine Firma vom Angebot einer Anleihe hat – diese ermöglicht einfach eine relativ günstige Kapitalbeschaffung.

Investieren Sie in ein solches festverzinsliches Wertpapier, können Sie dieses zeichnen oder über die Börse erwerben. In den meisten Fällen trifft ersterer Weg zu. Auf die Möglichkeit des Börsenhandels gehen wir weiter unten im Text separat ein. Die Zeichnung einer Anleihe ist während der sogenannten Zeichnungsfrist möglich, die oftmals auch als Emissionsphase bezeichnet wird. Für alle Vertragspartner herrschen in dieser Phase klare Bedingungen. So erwerben Sie eine Anleihe im Regelfall zum Kurs von 100 %. Dies bedeutet, dass Sie einen festen Kapitalbetrag investieren und diesen bei Ablauf der vereinbarten Investitionsdauer auch 1:1 zurück erhalten. In einigen Fällen sind jedoch auch Ausgabeaufschläge möglich, die den Emissionskurs Ihrer Anleihe erhöhen. Eine Rückzahlung erfolgt später trotzdem nur zu 100 %. Mehrkosten sind also praktisch als eine Art Anschaffungsgebühr zu betrachten.

Das wesentliche Merkmal eines festverzinslichen Wertpapiers besteht in einem festen Zinskupon – wie sein Name bereits verrät. Die Anlage wird fest und konstant verzinst. Das bedeutet, dass Sie einen regelmäßigen – meist jährlich ausgezahlten – Zinsertrag erhalten. Sowohl in Bezug auf die Zinsausschüttung als auch auf die Rückzahlungsmodalitäten sind festverzinsliche Wertpapiere sehr kalkulierbar. Darin bestehen grundsätzlich die Vorteile einer solchen Geldanlage.

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Festverzinsliche Wertpapiere – Chancen und Risiken

Wie beschrieben, bieten Ihnen Anleihen kalkulierbare Erträge und Kapitalgarantie zum Ende der vereinbarten Anlagedauer. Dies sind wichtige Vorteile. Allerdings sollten Sie sich immer darüber im Klaren sein, dass festverzinsliche Wertpapiere im Allgemeinen nicht immer als konservative Anlageform gelten können. Vielmehr kommt es darauf an, wer Emittent des entsprechenden Papiers ist. Dessen Bonität entscheidet darüber, als wie sicher Ihre Investition angesehen werden kann. Investieren Sie in ein festverzinsliches Wertpapier, treten Sie als Gläubiger, also quasi als Kreditgeber, auf. Zwar sind Zinszahlungen und Rückzahlung des Leihbetrages vertraglich vereinbart. Doch ob eine Zinszahlung bzw. Kapitalrückzahlung so wie festgelegt erfolgt, hängt letztlich von der Zahlungskraft des Emittenten ab. In Fällen mangelnder Liquidität des Emittenten kann es während der Anlagelaufzeit zu schleppender Zinszahlung oder gar kompletten Zinsausfällen kommen. Auch die Rückzahlung des Investitionskapitals kann nicht grundsätzlich immer als sicher gelten. Denn auch die hängt letztlich von der Zahlungskraft des Emittenten ab. Im Fall der Fälle sind auch hier Teil- oder Komplettausfälle möglich. Die Kapitalanlage in festverzinsliche Wertpapiere ist demnach nicht zwangsläufig als konservativ einzustufen. Es kommt darauf an, wem Sie ihr Geld leihen.

In der Praxis ist es allerdings so, dass das Risiko von Ausfällen im Rahmen der Geldanlage in Anleihen relativ gering ist. Zumindest wenn die Bonität des Emittenten insgesamt als gut beurteilt wird. Zu solchen Emittenten gehören im Regelfall europäische Banken und große europäische Aktiengesellschaften. Ausfallrisiken sind theoretisch immer da. Doch die Chancen dieser Anlageart überwiegen die solchen Emittenten zweifellos. Im Regelfall stellen lediglich unvorhergesehene wirtschaftliche Ereignisse eine Gefahr für Anleger dar, die in Anleihen solcher Unternehmen investieren. Was europäische Staaten betrifft, galten auch diese bis vor einigen Jahren als grundsätzlich sehr solide Emittenten – aufgrund regelmäßig fließender Steuereinnahmen. Angesichts der Erfahrungen, die Griechenland im Zusammenhang mit der sogenannten Finanzkrise machen musste, ist das jedoch nicht mehr zwangsläufig so. Denn im Falle eines Staatsbankrotts bzw. eines Schuldenschnitts gilt auch für Staatsanleihen, dass es durchaus zu Zinszahlungsausfällen und zum Verlust bzw. Teilverlust des Leihkapitals kommen kann.

Für Sie gibt es ein zentrales Indiz, das grundsätzlich immer die Höhe des Risikos widerspiegelt, das Sie mit Ihrer Geldanlage in ein bestimmtes festverzinsliches Wertpapier eingehen. Und zwar die Höhe des Zinskupons. Denn wie bei allen Anlageformen gilt auch für festverzinsliche Wertpapiere, dass höherer Ertrag immer mit höherem Risiko einhergeht. Keine Anlageform verbindet niedrige Risiken mit hohem Ertrag. Kein Schuldner – also Emittent – zahlt Ihnen als Investor mehr Zinsen als unbedingt nötig. Werden höhere Kupons angeboten, können Sie also sicher sein, dass Kreditinstitute für eine solche Leihe noch höhere Zinssätze kassieren würden. Und die schauen sich die finanzielle Lage eines Kreditantragstellers in aller Regel genau an. So kann man sich praktisch indirekt darauf verlassen, dass es sich bei einer solchen Anlagenvariante um eine risikobewusst oder im Einzelfall gar spekulativ anzusehende Investition handeln würde.

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Festverzinsliche Wertpapiere an der Börse

Wie schon erwähnt, gibt es zwei Wege einer Investition in ein festverzinsliches Wertpapier. Einerseits ist eine Zeichnung des Papiers während dessen Emission, also in der Phase seiner Auflegung, möglich. Doch auch direkt über die Börse kann man ein festverzinsliches Wertpapier kaufen. Nach der Emissionsphase ist dies im Übrigen der einzige Weg, eine bestehende Anleihe noch zu erwerben.

Dabei ist wichtig zu wissen, dass auch ein festverzinsliches (und börsennotiertes) Wertpapier über einen Kurs verfügt. Wie beschrieben wird ein solches Papier während der Emission meist zu 100 % ausgegeben und bei Fälligkeit auch zu 100 % zurückgezahlt. Innerhalb der Anlagelaufzeit gilt dies aber nicht. In diesem Zeitraum ist lediglich der Börsenhandel, wo sich ein Kurs aus Angebot und Nachfrage bildet. Im Regelfall schwankt dieser nicht so stark, wie man es zum Beispiel von einem Aktienkurs her kennt. Doch durchaus kann es passieren, dass ein Papier beispielsweise zu 90 % gehandelt wird. Ebenso sind Kurse deutlich über 100 % möglich. Trotzdem gilt, dass der Emittent bei Fälligkeit 100 % zurückzahlt – sofern er dazu finanziell in der Lage ist. Der Großteil der gehandelten festverzinslichen Wertpapiere schwankt um einen Kurs von 100 %.

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die Einfluss auf die Kursbildung haben. Größere Veränderungen der Bonität des Emittenten während der Anlagelaufzeit haben hier sicher die größten Auswirkungen. Bei soliden Emittenten kommt dies jedoch relativ selten vor. Ein Faktor, der in der Praxis praktisch immer Einfluss nimmt, ist die allgemeine Zinsentwicklung. Verändern sich die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt, werden bestehende festverzinsliche Papiere entweder attraktiver oder auch weniger attraktiv – aufgrund ihres Festzinses. Direkte Kursveränderungen sind die Folge. Steigende Zinsen sorgen für Kursabsenkungen, während sinkende Zinsen positive Auswirkungen auf den Wertpapierkurs haben. Wie stark die Schwankungen sind, hängt von der Intensität der Zinsschwankungen und von der verbleibenden Laufzeit der Anleihe ab.

Ein bisschen Mathematik gefällig? Ausgangssituation für unser Rechenbeispiel: Sie haben eine Anleihe mit einem festen Zinskupon von 4,5 % pro Jahr während der Emissionsphase erworben – also zu 100 %. Dies ist ca. ein Jahr her. Die noch verbleibende Laufzeit Ihres Wertpapiers beträgt 5 Jahre. Während des ersten Anlagejahres fällt das allgemeine Zinsniveau für vergleichbare Anleihen um ca. 1 %. Ihre bestehende festverzinsliche Anleihe wird demzufolge attraktiver für andere Anleger. Denn der Zinskupon von 4,5 % p.a. gilt fest bis zum Ende Ihrer Anlagezeit, also noch 5 Jahre lang. Gegenüber aktuell möglichen Anleihen ergibt sich dadurch ein rechnerischer Vorteil, der zu einem Kursanstieg Ihres Papiers an den Börsen führt.

Berechnung:

100 % + (Zinsänderung der Märkte p.a. x verbleibende Laufzeit in Jahren) = rechnerischer Börsenkurs

100 % + (1 % p.a. x 5 Jahre) = 105 %

An den Börsen wird Ihre Anleihe also zu (ca.) 105 % gehandelt. Sie haben die Möglichkeit, diese nun vorzeitig zu einem Kurs von über 100 % zu veräußern. Zu den Zinsen, die Sie bisher erhalten haben, käme also ein einmaliger Kursgewinn in Höhe von immerhin 5 %. Veräußern Sie Ihre Anleihe zwischen den Zinszahlungsterminen, werden Ihnen Zinsen übrigens anteilig gutgeschrieben – in Form sogenannter Stückzinsen, die Ihnen der Erwerber Ihrer Anleihe zahlt. Hinweis: Bei einem Verkauf über die Börse entstehen im Regelfall Transaktionskosten von bis zu 1 % des Kurswertes, die Sie beim Treffen einer Verkaufsentscheidung immer berücksichtigen sollten. Die genaue Höhe der Kosten hängt von der Gebührenstruktur Ihrer Depotbank ab.

Käme es im oben genannten Beispiel hingegen zu einem Zinsanstieg an den Märkten, würde sich die Rechnung umdrehen. In diesem Fall entstünde ein Kursnachteil in Höhe von 5 %. Der Kurs würde sich demnach bei (ca.) 95 % bilden.

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